Absinth – das Getränk der „Bohème“

Absinth – das Getränk der „Bohème“

17. September 2017


„Der Absinth macht Sorgen vergessen, was jedoch mit Kopfschmerzen bezahlt wird. Nach dem ersten Glas siehst Du die Dinge so, wie Du sie gerne hättest, nach dem zweiten Glas siehst Du die Dinge so, wie sie nicht sind und nach dem dritten Glas siehst Du die Dinge so, wie sie wirklich sind.“ Dies sagte Oscar Wilde einst über ein Getränk, das mit seinem betörenden und magischen Duft in der Tat mehr ist als nur ein alkoholisches Getränk. Der Absinth ist das Symbol einer ganzen Epoche: Charles Baudelaire und Vincent Van Gogh verloren durch seinen (übermäßigen) Genuss den Verstand, Paul Gauguin, Arthur Rimbaud, Henri de Toulouse-Lautrec und Verlaine waren von ihm begeistert, auch Ernest Hemingway, Edgar Allan Poe und Aleister Crowley waren ihm sehr zugetan und für Henri Zola war er eine starke Inspirationsquelle. Und auch heute weckt die „grüne Fee“ noch immer und wieder die Neugierde der Genießer und Kenner – wie auch der Trendtrinker und Experimentierer.

Sachlich betrachtet, ist der Absinth eine ursprünglich aus der Schweiz stammende, später überwiegend in Frankreich produzierte Spirituose, die traditionell aus Wermut, Anis, Fenchel sowie weiteren Kräutern hergestellt wird, was die unterschiedlich stark ausgeprägte grüne Farbe und auch einen minimal bitteren Geschmack begründet. Der Alkoholgehalt variiert zwischen 45 und 85 Volumenprozent. Der Absinth wird zubereitet, indem man ihn pur in ein speziell dafür vorgesehenes Glas gießt und darüber einen Absinth-Löffel hält. Auf diesem lässt man ein Stück Zucker mit Eiswasser zerlaufen, wodurch die Flüssigkeit trüb und damit trinkbereit wird.

Auf dem Höhepunkt seiner Popularität in der zweiten Hälfte des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts stand das Getränk in dem Ruf, aufgrund seines Thujon-Gehalts abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden hervorzurufen. 1915 war das Getränk in einigen europäischen Staaten sowie in den USA verboten. Moderne Studien haben jedoch eine Schädigung durch Absinth-Konsum über die Wirkung von Alkohol hinaus nicht nachweisen können. Die damals festgestellten gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt man inzwischen auf die schlechte Qualität des Alkohols und die großen Alkoholmengen zurück, die seinerzeit konsumiert wurden. Seit 1998 ist Absinth in den meisten europäischen Staaten wieder frei verkäuflich. Auch in der Schweiz sind Herstellung und Verkauf seit 2005 wieder erlaubt. Die Rezeptur wurde verbessert und darf nun auch wieder als Absinth bezeichnet werden. Daher kommt das grüne Gebräu allmählich wieder in Mode. Aber Achtung: Das mit den Kopfschmerzen stimmt ab dem vierten Glas auch heute noch, so wie Oscar Wilde gesagt hat.

Für die Freunde des COMTÉ und der ohnehin reizvollen Region Franche-Comté bietet sich ein Besuch in dem Städtchen Pontarlier an, das noch viele Jahrzehnte und auch noch heute als die Hauptstadt des Absinth gilt und in dem es neben zahlreichen Reminiszenzen auch das Museum von Pontarlier gibt, in dem der „grünen Fee“ viel Platz eingeräumt wird. Für frankophone Leserinnen und Leser fügen wir hier gerne einen Link zur französischen Webseite von COMTÉ hinzu, wo es noch mehr darüber zu lesen gibt.


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