Wenn im Herbst die Weiden im französischen Jura langsam ihre sommerliche Üppigkeit verlieren, gewinnt das Heu in den Scheunen wieder an Bedeutung. Denn was die Landwirte bereits seit dem Frühjahr auf den Wiesen geerntet haben, wird in den kommenden Monaten zu einem wesentlichen Bestandteil der Fütterung der Montbéliarde- und Simmentaler Kühe. Wie gut diese Heuernte ausgefallen ist, spielt deshalb auch für den COMTÉ eine wichtige Rolle. 2026 fällt die Bilanz allerdings zwiespältig aus: Die Qualität stimmt – doch die Erntemengen sind knapp.
2026 begann diese Arbeit ungewöhnlich früh. Bereits um den 20. April wurden in den Ebenen die ersten Wiesen gemäht. Auf den höher gelegenen Plateaus begann die Heuernte etwa einen Monat später, in den Bergregionen um den 25. Mai. „Überall wird gemäht“, notierte Jean-Marie Curtil, Berater der Landwirtschaftskammer des Départements Doubs, am 22. Mai in seinem Kalender.
So früh die Ernte begann, so unterschiedlich fiel sie allerdings aus. Je nach Bodenbeschaffenheit, Düngung und Art der Wiesen schwankten die Erträge deutlich. Im Durchschnitt lagen sie nach Einschätzung der Fachleute 20 bis 30 Prozent unter den üblichen Mengen.
Weniger Menge, gute Qualität
So unterschiedlich die Erträge ausfielen, bei der Qualität gibt es erfreuliche Nachrichten. Die Heuernte konnte unter guten Wetterbedingungen eingebracht werden und erforderte nur wenig Wenden und Trocknen auf den Wiesen. Davon profitierten insbesondere die Leguminosen – also beispielsweise Kleearten –, denn sie konnten einen großen Teil ihrer besonders nährstoffreichen Blätter behalten.
Auch erste Untersuchungen bestätigen die gute Qualität. „Die Analysen der Nährwerte des Heus aus dem ersten Schnitt liefern gute Ergebnisse“, berichtet Jean-Marie Curtil von der Landwirtschaftskammer des Doubs.
Auf gut bewirtschafteten Flächen in der Ebene brachte dieser erste Schnitt etwa 3,5 bis 4 Tonnen Heu pro Hektar, in den Berglagen waren es rund 2,5 bis 3,3 Tonnen. Das ist deshalb besonders relevant, weil bereits der erste Schnitt normalerweise rund 60 bis 65 Prozent des gesamten Jahresertrags liefert. Auch der zweite Schnitt fiel vergleichsweise gering aus.
Die Ursachen dafür liegen vor allem in einem ungewöhnlichen Wetterverlauf. Nach einem frühen Frühjahr sorgten Anfang April noch einmal Schnee, nächtlicher Frost und Kälte für Stress bei den Pflanzen. Dadurch gingen die Gräser früher als gewöhnlich in die Samenbildung – und mussten entsprechend früher gemäht werden.
Anschließend beschleunigte Trockenheit die Entwicklung zusätzlich. Während zwischen dem ersten Schnitt und der zweiten Heuernte normalerweise 35 bis 45 Tage liegen, waren es 2026 im Durchschnitt nur rund 30 Tage.
Anfang Juli zeichnete sich deshalb ab, dass es auf manchen Höfen im weiteren Jahresverlauf knapp mit dem Heu werden könnte. Auch die Weiden litten in einigen Gebieten bereits unter der Trockenheit.
Ein gutes Vorjahr schafft Reserven
Dass die Situation dennoch nicht unmittelbar problematisch ist, liegt ausgerechnet am vergangenen Jahr. 2025 war ein außergewöhnlich gutes Futterjahr, sodass auf vielen Höfen noch Vorräte vorhanden sind, auf die nun zurückgegriffen werden kann.
Außerdem ist ein Landwirtschaftsjahr Anfang Juli noch lange nicht entschieden. Ein feuchter und milder Herbst kann das Gras erneut wachsen lassen, die Weidesaison verlängern und unter Umständen sogar einen weiteren Schnitt ermöglichen.
Dennoch zeigt die Entwicklung, womit sich die Landwirtschaft in der COMTÉ-Region zunehmend beschäftigen muss: Wie lässt sich die Futterversorgung langfristig sichern, wenn sich Temperaturen und Vegetationsperioden verändern?
Landwirtschaft im Wandel
Didier Tourenne, zuständig für Agronomie und Umwelt bei der Landwirtschaftskammer des Doubs, beobachtet die Temperaturentwicklung in der Region seit Jahrzehnten. Seine Auswertungen zeigen einen deutlichen Erwärmungstrend – zunächst seit Mitte der 1980er-Jahre und nochmals verstärkt seit etwa 2010 bis 2013.
Besonders auffällig sind die Zahlen für 2026: Bis zum 30. Juni wurden in Besançon bereits 19 Tage mit Temperaturen über 30 Grad Celsius registriert. Acht Tage lagen sogar über 35 Grad. Zum Vergleich: Im gesamten Hitzesommer 2003 wurden in Besançon zwölf Tage mit mehr als 35 Grad gemessen.
Für Tourenne ist deshalb klar, dass sich die landwirtschaftlichen Betriebe frühzeitig auf veränderte klimatische Bedingungen einstellen müssen. Noch habe es keine Folge mehrerer katastrophal heißer und trockener Jahre gegeben. Doch es wäre riskant, davon auszugehen, dass dies so bleibt.
Denn COMTÉ beginnt auf der Wiese
Für die COMTÉ-Erzeuger geht es dabei um weit mehr als um die Frage, wann ein Mähwerk über eine Wiese fährt. Die Landwirtschaft der Region, ihre Wiesen und Weiden und das dort gewonnene Futter gehören zu jenem komplexen Zusammenspiel, das wir TERROIR nennen. Die Milch entsteht nicht unabhängig von ihrer Umgebung. Sie trägt die Bedingungen ihrer Herkunft in sich – und damit beginnt die Geschichte eines COMTÉ lange bevor die Milch in der Fruitière in den Kupferkessel fließt.
Die Heuernte 2026 erzählt deshalb auch eine Geschichte von Anpassungsfähigkeit. Die Landwirte müssen beobachten, früher reagieren, Vorräte planen und ihre Bewirtschaftung immer wieder an die Bedingungen eines Jahres anpassen.
Denn am Ende hängt guter Käse auch davon ab, was auf den Wiesen seiner Heimat wächst.